Autor: Antonio Botto (1902, Concavades - 1959, Rio de Janeiro)
Werke: "Nebliger, trüber Nachmittag" (Tarde nevoenta a baca), "Unerträglich auch nur deinen Namen zu hören" (Nem sequer podia)
Übersetzung: Sapé Grootendortst, Marita Keilson-Lauritz, Dirk Schilling



Antonio Botto sorgte 1922 für einen literarischen Skandal in Lissabon: In seinen Cançoes schilderte er homosexuelle Erlebnisse nämlich unzweideutig und auf den Augenblick konzentriert. Die Kirche protestierte, die Polizei beschlagnahmte den Gedichtband. Doch Botto ließ sich nicht entmutigen: Er folgte weiter seinem poetischen Konzept.



Nebliger, trüber Nachmittag

Sprühregen,
Wolken stoßen
Zusammen, tanzend ...

Sonnenlicht,
Zögernd - sehr spärlich,
Reflex einer stumpfen Klinge,
Trifft die Ebene,
Wo
Ich den Anfang des Rennens erwarte.

Pferde und Reiter,
Eine eindrucksvolle Masse
In gewagtem Wirbel,
Erscheinen
Im Hintergrund.

Und das Licht,
Auf einmal,
Wird golden.

Freude an
Dieser Glänzenden Jugend
- Die vorübergeht!
Und der trockene, taube Ton
Der Pferde
Im Wahnsinn des Galopps
Machen mir männliches Schauern
Und heilsame Traurigkeit.

Der Regen wird dichter
- Jetzt,
Mit Windstößen,
Graniten und ohne Leichtigkeit,
Das grüne Gras durchweichend,
Und die Menge,
Die darauf besteht
Zu bleiben,
Um das krönende Finale zu sehen.

Trotz der Sturzbäche
Und trotz des heftigen, fast
Schneidenden Windes
Ist die wohlgefällige, athletische Anmut
Der Reiter
In meinen Nerven,
Allesbeherrschende Berührung,
Hochsinnlich, bebend.

Metallen
Klirrt Gelächter einer Frau
Wie splitterndes Glas
Im gewaltsamen Zusammenprall.
Und die Anstrengung,
Die es mich kostet,
Die anderen nicht sehen zu lassen,
Was ich tief fühle,
Läßt mich zurück
Geschlagen, bleich, mürbe.

Ich gehe.
- In der Luft
Lebt noch ein Sonnenstrahl.




Unerträglich...

Unerträglich, auch nur
Deinen Namen nennen zu hören.
Deine Erscheinung
Irritierte mich, ich litt,
Weil ich dich nicht verletzen konnte...

Bis wir einander begegneten!

Es nieselte, der Abend dämmerte.
- Ein feiner Regen,
Aufdringlich und kalt
Wie ein ironisches Lächeln
Um einen begehrten Mund.

Ich weiß schon nicht mehr, was Du sagtest;
Noch erinnere ich mich, was ich sagte...

Der Regen hielt an.
Wir durchquerten einen Garten,
Und im matten Licht
Einer Laterne
Flüstertest Du mir ins Ohr:
- Ich will Dir meinen Leib geben.
Und ich fügte hinzu: - Nun ja.

Der Regen wurde dichter.
Ich war durch und durch naß.
Endlich kamen wir an; ich trat ein...
Ein Matrose kam herunter,
Richtete sein Hemd
Und strich sich die Locken zurecht.
Es war ein gewöhnliches Haus,
Wo die Liebe
Verborgen vor allen Sonnen
Gegeben, verkauft wurde
Im Tausch gegen den stärksten Trieb.

Ich bereute. Ich fluchte.
Aber als ich Deine Arme verließ,
Fühlte ich, daß ich mehr Seele besaß!

Und nie mehr bin ich Dir begegnet!

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