Autor: Frederico Garcia Lorca (5. 6. 1898, Fuente Vaqueros/Grenada - 19. 8. 1936, Viznar/G.)
Werke: "Sonett von der Rosengirlande", "Sonett von der sanften Klage", "Sonett in Góngoras Manier"
Übersetzung: L. Klünner, Frankfurt/M.



Frederico Garcia Lorca war schon ein bekannter Autor, als er 1933 den temperamentvollen Studenten Rodriguez Rapún kennenlernte. Ein spannungsreiches Verhältnis begann - Lorcas "Sonette von der dunklen Liebe" (Sonetos del amor oscuro) beweisen es. Er vermied freilich alle theatralische Schärfe und ließ sich lieber anregen von den Motiv- und Metaphernspielen des Barockdichters Góngora. Veröffentlicht wurden die Sonette vollständig erst in den 80er Jahren: denn die "dunkle Liebe" war auch die geächtete Liebe. 1936 wurde Lorca von der faschistischen Guardia Civil ermordet.



Sonett von der Rosengirlande

Nur die Girlande! Schnell! Eh ich vergeh!
Rasch winde sie! Und singe! Seufze! Singe!
Eh mir der Schatten in die Kehle dringe
und ich den Januar wieder schimmern seh.
An Reisflurn stieß der Traum, die Chinas Weiten zieren,

Du liebst mich und ich lieb dich sind seit je
wie Pflanzenzittern, Sternenhauch zwei Dinge,
sie trennt der Anemonen Blattgeschlinge:
ein jahrlang Seufzen, Dunkelheit und Weh.

Genieß die frische Landschaft meiner Wunde,
durch Binsen brich, hetz über Bach und Brücken,
vom Honigschenkel schlürf des Blutes Guß.
Doch rasch! Daß eng umschlungen uns die Stunde,
Mund ausgezehrt von Liebe, Herz in Stücken,
als einen Leib vernichtet finden muß.




Sonett von der sanften Klage

Dein Statuenaug, dies Wunder, ach, ich bange,
es zu verlieren, das mich so beglückt,
und diesen Schmelz, den nachts mir auf die Wange
die scheue Rose deines Atems drückt.

Mich quält, daß ich an diesem Uferhange
der Baum bin, den kein einziger Zweig mehr schmückt,
und daß ich meines Leidens Wurm schon lange
nicht mehr mit Blüten, Frucht und Lehm erquickt

Wenn mein geheimer Schatz du bist, mein Hort,
mein Kreuz, mein Schmerz, der eisig mich durchzogen,
und ich dein Hund, für fremden Zuruf taub,

nimm mir, was ich gewonnen hab, nicht fort,
verziere lieber deines Flusses Wogen
mit meines wonnetrunknen Herbstes Laub.




Sonett in Góngoras Manier, darin der Dichter seiner Liebe eine Taube schickt

Vom Turia will ich dir dies Täubchen schicken
mit seinem milden Aug und weißen Flaum,
still hingegossen ruht's im Lorbeerbaum,
läßt tief ins Schwelen meiner Liebe blicken.

Sein Unschuldsglanz, sein sanfter Hals und Rücken,
fügsam wie Töpferton und warmer Schaum,
zitternd in Reif und Nebel: zarter Traum,
die Gier nach deinem Munde auszudrücken.

Streich sacht ihm übers Weiße und verschließe
dich nicht den Flocken dieser Melodie,
die still wie Schnee auf deine Schönheit fließe.

So auch mein Herz, denn ach! es sieht dich nie,
weint Tag und Nacht, gefangen im Verliese
der dunklen Liebe, vor Melancholie.

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