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Rabindranath Tagore bekam 1913 Nobel Preis für Literatur. Danach war er dreimal zu Besuch in Deutschland-1921,1926 und 1930. Im Sommer 1921 begegnete er einem deutschen Volk voll Hoffnung und Begeisterung. Deutschland hatte damals nicht nur den Krieg, sondern auch seinen geistigen Rückhalt verloren. Das Reich und die Monarchie waren dahingegangen.Republik und Demokratie standen auf schwachen Füßen, die Jugendbewegung suchte in der Nähe zur Natur den Neubeginn. In Tagore fanden einige Leute spontan eine Erlösergestalt, einen Tröster und Begleiter in der Not. Bei seinem Vortrag an der Universität von Berlin,wurde Tagore mit stürmischer Begeisterung empfangen.Der Jubel und der Massenandrang der Studenten war kaum zu bewältigen.In Berlin führte er mit Albert Einstein die berühmte "Konversationen über Religion".
Tagores größter Bewunderer und Förderer war Graf Hermann Keyserling von der Darmstädter "Schule der Weisheit". Graf Keyserling war im intellektuellen Deutschland der eloquenteste Fürsprecher von Rabindranath und seiner "Botschaft". Im Rahmen seiner "Schule der Weisheit" veranstaltete er eine "Tagore-Woche" in Darmstadt. Dr. Röhm, ein Teilnehmer, schrieb: "---wie ein Prophet stand er auf dem Herrgottsberg und viele seiner Zuhörer hatten den Eindruck, den Bringer einer Religion vor sich zu haben ,den Bringer der alten Religion der Nächstenliebe, die wir in Europa zwar im Munde führen, aber weniger als anderswo in die Wirklichkeit umsetzen."
In Darmstadt war Tagore im Neuen Palais zu Gast und jeden Morgen erschien er im Garten dieses Schlosses, um mit den dort Versammelten zu sprechen. Am dritten Tag versammelten sich Tausende auf dem Herrgottsberg nahe der Stadt. Die Mitglieder der Jugendsammlung sangen ihre Lieder. Tagore persön-lich trug das folgende Lied vor:
Du singst, ich weiß nicht wie, o Meister,
erstaunt hör ich zu, höre nur zu.
Deiner Melodien Licht erstrahlt über die Erde
Deiner Melodien Hauch umfängt den Himmel,
Hartes durchbrechend,stürzt,in drängender Eile vorwärts,
der Melodien himmlischer Fluß.
Ich sehne mich zu singen wie du,
in meine Stimme find ich kein Lied.
Was mich zu sagen treibt
Mir fehlen die Worte dazu
Ich gebe mich geschlagen
Und meine Seele weint.
In Schlingen hast Du mich verstrickt
ein Netz von Melodien allseits um mich gewebt.
Nach Darmstadt war auch Paul Natorp(1854-1924), derzeit Philosophie-professor an der Universität Marburg, eingeladen worden, um Rabindranath Tagore zu treffen. Danach schrieb Paul Natrop: "Wir wissen, daß gute Redner in der Lage sind, Wind, Regen, und Donnergrollen durch ihre ausdruckstarke modulierte Sprache zu porträtieren, aber bei Tagore war all dies noch ausge-prägter und pointierter. Die Worte selber fielen wie Regen und Donner und ließen die Seele erbeben. Als Tagore das Gedicht: "Er kommt, kommt un immer er kommt" rezitierte entwickelte sich eine gespannte, erwartungsvolle,aber unendlich selige Sehnsucht unter den Zuhörern nach etwas unerhört, überwältigend Heiligem.
Hörtet ihr nicht seinen schweigenden Schritt?
Er kommt, kommt, immer kommt er.
Zu jeder Stunde, zu allen Zeiten,
zu jedem Tage, zu jeder Nacht,
er kommt, kommt, immer kommt er.
Manch einen Sang hab ich gesungen
in mancher Stimmung der Seele,
doch alle meine Töne verkündeten nur:
Er kommt, kommt immer kommt er.
In duftigen Tagen des sonnigen April
auf Waldespfad,
er kommt, kommt, immer kommt er.
In dem regnichten Dunst der Julinächte
auf Donnerwagen der Wolken,
er kommt, kommt, immer kommt er.
In Leid nach Leid ist es sein Schritt,
der mein Herz drückt
und die goldene Spur seiner Füße
läßt meine Freude aufleuchten
Als Rabindranath Tagore 1926 Deutschland wieder besuchte, brachte er ein Lied zu diesem Anlaß mit.
Der Himmel voller Sonne und Sterne,
Das All gefüllt mit Leben,
Mitten darin habe ich meinen Platz bekommen-
Darum erwacht mein Lied bewundernd.
Die Wogen der unendlichen Zeit,
Die die Welt zwischen den Gezeiten zum Schwingen bringen,
Pulsieren in meiner Blutbahn-
Darum erwacht mein Lied bewundernd
Ich spüre das Gras unter meinen Füßen
Während ich auf dem Waldpfad gehe,
Der plötzlich ausströmende Duft der Blumen
Bringt meine Seele zum Schwingen
Das Geschenk des Glücklichseins ist überall verteilt-
Darum erwacht mein Lied bewundernd
Ich halte Ohren und Augen offen,
Ich gieße mein Leben in das Herz der Natur,
Ich suche das Unbewußte im Bewußten-
Darum erwacht mein Lied bewundernd
Während einer Fahrt durch den Bayerischen Wald überfiel ihn eine tiefe Selbst- besinnung, die mit dem damaligen Trubel um seine Person nichts zu tun hatte.Er schrieb über das "Personliche" und wandte sich einer Art Natur-Mystik zu.Einige Kurzgedichte seiner letzen Phase spiegeln die Stimmung dieser Lieder wider
Meine Ferien kommen näher,aller Ferien End,
regt sich mir ein Bild im Sinn: ein Ferienkontinent.
Und die Stille ist am Himmel endlos und ganz Ohr,
denn ihr spielt ein Tönestrom auf dem Ektara vor.
Das am 19.September 1926 in Nürnberg komponierte Lied von Tagore "Amar Mukti"(Meine Erlösung) birgt eine neue Art von Bündnis mit der Natur in sich.
Es verheimlicht nicht Tagores Unruhe, die sich um Erlösung bemühte:
Meine Erlösung ist in den Lichtern, in diesem Himmel
Meine Erlösung ist in dem Staub, in den Gräsern.
Ich verliere mich weit weg vom Körper, weg vom Gedanken.
Meine Erlösung schwimmt hoch hinaus in die Melodien der Gesänge
Meine Erlösung findet sich in den Gedanken der Menschen
Die schwerste Aufgaben, alle Leid und Gefahren hindurch
An der Feuerstelle des Allmächtigen mich entflammend
Möchte ich mich selbst opfern, hoffe dabei meine Erlösung zu erreichen
CopyrightŠ 2008-2009; Meera Chakraborty